Bundesinitiative Sturzprävention 2. Sturzpräventions-
tagung D-A-CH
27.–28.11.2015

STUTTGART

PROGRAMM

Freitag, 27.11.2015

ab
12:00
Anmeldung im Tagungsbüro, Vorraum Atrium

13:00
Begrüßung

Prof. Dr. Clemens Becker

ProFouND - The Prevention of Falls Network for Dissemination (Beitrag in Englisch)

Prof. Dr. Chris Todd, Manchester

13:30
NEUES ZUR STURZPRÄVENTION - Teil I:

Moderation: Prof. Dr. Clemens Becker

1. Neues zur Epidemiologie von Stürzen und Frakturen

PD Dr. Kilian Rapp, Stuttgart

Es liegen viele internationale Studien vor, die sich mit Häufigkeit, Risikofaktoren und Folgen von Stürzen und Frakturen beschäftigen. In den vergangenen Jahren konnten aber auch mit Daten aus Deutschland Sturz- und Frakturinzidenzen erhoben und neue epidemiologische Aspekte der Literatur hinzugefügt werden.
Der Vortrag gibt einen Überblick über die Häufigkeit von Stürzen und Frakturen in unterschiedlichen Risikogruppen. Außerdem wird gezeigt, dass Sturz- und Frakturrisiko zeitlich variieren und deshalb immer wieder neu bewertet werden müssen. Vor diesem Hintergrund sind auch neueste Prädiktormodelle, die mit hochkomplexen Algorithmen arbeiten, kritisch zu bewerten.
Zudem wird gezeigt, welche Konsequenzen Stürze und Frakturen in unserer Gesellschaft nach sich ziehen.


Rapp_Epidemiologie.pdf

2. Klinisches Assessment des Sturzrisikos: Ein Update der Evidenz

Dr. Daniel Schöne, Nürnberg

"Simple" klinische Tests sind von enormer Bedeutung für die tägliche Praxis einschließlich der Einschätzung des Sturzrisikos und aufbauender Präventionsstrategien bei älteren Personen. Diese Tests können schnell und kostengünstig durchgeführt werden und die Resultate sind einfach zu interpretieren. Fokus dieses Vortrages sind Testverfahren, die keiner technologischen Instrumente bedürfen. Daten zur Evidenz der meist verwendeten Tests (z.B. Timed up and go test) und Testbatterien (z.B. Berg Balance Scale) werden vorgestellt sowie Vor- und Nachteile diskutiert. Besonderer Fokus liegt auf folgenden Punkten: Durchführbarkeit mit klinischen Populationen, Schwellenwerte und methodologische Qualität der Studien. Am Ende werden konkrete Empfehlungen abgeleitet.


3. Instrumentiertes Assessment

Dr. Ing. Jochen Klenk, Klinik für Geriatrische Rehabilitation, Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart


4. Neue Ansätze und Erkenntnisse zum Gleichgewichtstraining im Alter

Dr. habil. Thomas Mühlbauer, Potsdam

Neue Ansätze und Erkenntnisse zum Gleichgewichtstraining im Alter
Defizite im Gleichgewicht in Form von erhöhten posturalen Schwankungen und reduzierter Gehgeschwindigkeit gehören u. a. zur Gruppe intrinsischer (personenbezogener) Faktoren, durch die das Risiko erhöht wird, einen Sturz im späten Erwachsenenalter (>65 Jahre) zu erleiden. Durch traditionelle Formen des Gleichgewichtstrainings (d. h. Reduktion der Unterstützungsfläche, Entzug/Manipulation sensorischer Informationen) lassen sich posturale Schwankungen reduzieren und die Gehgeschwindigkeit von Seniorinnen und Senioren erhöhen. Jedoch ist unklar, in welcher Ausprägung die Belastungsnormative Dauer, Häufigkeit etc. von Gleichgewichtstraining den größten Effekt hervorrufen. Zudem findet das Prinzip der Trainingsspezifität (d. h. hoher Grad an Übereinstimmung zwischen Übungs- und Anwendungsanforderungen) nur bedingt Berücksichtigung. Zum Beispiel zeigen Alltagssituationen, dass Gleichgewichtsleistungen vielfach unter geteilter Aufmerksamkeit (Gehen und Telefonieren) und in unerwarteten, das Gleichgewicht beeinträchtigenden Situationen (Stehen in einem anfahrenden/abbremsenden Bus), vollbracht werden müssen. Außerdem wird in jüngerer Vergangenheit verstärkt auf die Bedeutung der Rumpfkraft/-stabilität im Sinne von „proximale Stabilität für distale Mobilität“ zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts hingewiesen. Im Vortrag werden aktuelle Erkenntnisse zum Training des Gleichgewichts im Alter beschrieben und die Wirkungen von neuen mit denen von traditionellen Trainingsansätzen verglichen. Zudem werden praktische Ableitungen im Sinne von Dosis-Wirkung Beziehungen für das Gleichgewichtstraining mit Seniorinnen und Senioren getroffen


Muehlbauer_Gleichgewichtstraining_im_Alter.pdf

5. Kognitiv-motorischer Interferenz im Sturzgeschehen: Hintergründe - Assessment - Training

Prof. Dr. Nadja Schott, Stuttgart

Zahlreiche Studien konnten in den letzten zwei bis drei Dekaden zeigen, dass Fortbewegung mit zunehmendem Alter nicht nur durch automatisierte Prozesse gekennzeichnet ist. Vielmehr sind für posturale Kontrolle und Fortbewegung die kognitive Leistungsfähigkeit und im Besonderen Aufmerksamkeitsressourcen sowie die exekutiven Funktionen von besonderer Bedeutung (Schott, in Druck). Eine Großzahl an Studien zu diesem Themenfeld bedient sich des Doppelaufgabenparadigmas, das typischerweise von der Versuchsperson verlangt, ihre Aufmerksamkeit auf zwei oder mehr Aufgaben zu verteilen. Häufig handelt es sich dabei um eine motorische (u.a. Balancieraufgaben; Gehen mit und ohne Hindernisse) und eine kognitive Aufgabe (u.a. mentale Trackingaufgabe, Reaktionszeitaufgaben, Tests zur verbalen Flüssigkeit). Lundin-Olsson und Kollegen nutzten 1997 in einer Untersuchung zum Sturzrisiko bei Bewohnern von Seniorenheimen eine Form der Doppelaufgabe, die als „Stops walking while talking“ bekannt wurde. Es zeigte sich in dieser wegweisenden Studie, dass diejenigen Bewohner, die um ein Gespräch führen zu können, stehen bleiben mussten, im Vergleich zu Bewohnern, die gleichzeitig eine Unterhaltung während des Gehens führen konnten, signifikant kürzere Zeiten bis zum nächsten Sturz aufwiesen. Seitdem sind zahlreiche Untersuchungen zur kognitiv-motorischen Interferenz bei Gehaufgaben hinzugekommen, die sich insbesondere mit dem Zusammenhang zum Sturzrisiko bei gesunden älteren Erwachsenen, aber auch klinischen Populationen auseinandersetzen.
In diesem Vortrag sollen aktuelle Befunde zur motorisch-kognitiven Interferenz bei Personen mit und ohne kognitive Einschränkungen sowie ein Framework zur Erhebung der Doppelaufgabenkosten vorgestellt werden.


Schott_Kognitiv_motorische_Inferenz_im_Sturzgeschehen.pdf

15:30
Pause

16:00
NEUES ZUR STURZPRÄVENTION - Teil II:

Moderation: Prof. Dr. Klaus Hauer

1. Lifestyle-integrated Functional Exercise (LiFE): Entwicklung eines ICT-basierten Ansatzes

Dr. Michael Schwenk, Stuttgart

Nur ein geringer Teil der älteren Menschen führt regelmäßig gezieltes Kraft- und Balancetraining zur Sturzprävention durch. Eine zentrale Frage ist daher, wie man Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter zu einem gezielten, regelmäßigen und langfristigen körperlichen Training führen kann. Ein vielversprechender Interventionsansatz ist das „Lifestyle- Integrated Functional Exercise (LiFE)“ Programm. Es basiert auf der Idee, spezifische und evidenzbasierte Trainingsübungen in der Alltagsroutine einer Person zu verankern, anstatt diese im Rahmen eines separaten, formalen Bewegungsprogramms durchzuführen. Im Vortrag wird zunächst der theoretische Hintergrund und bestehende Evidenz zum LiFE Programm vorgestellt. Anschließend wird ein Ausblick auf ein EU-Projekt (PreventIT) gegeben. Ziel von PreventIT ist die Entwicklung eines ICT-basierten LiFE Programms (enhanced LiFE). Dabei soll moderne Kommunikationstechnologie (Smartphone, Smartwatch) gezielt zur Personalisierung und Steuerung des körperlichen Trainings sowie zur Erhöhung der Motivation eingesetzt werden. Angestrebt wird eine nachhaltige Verhaltensmodifikation der Person hin zu einem aktiveren Lebensstil.


2. Sehprobleme als Sturzursache: übersehen oder unterschätzt?

Prof. Dr. Focke Ziemssen, Tübingen

Sehprobleme als Sturzursache: übersehen oder unterschätzt?
Obwohl ein Zusammenhang zwischen schlechtem Sehen und dem Sturz über Hindernisse (Teppichkanten, Treppenstufen) erst einmal einleuchtend wirkt, gibt es keine konsistente Studienlage zur Sehbehinderung als relevantem Sturzrisiko. Neben Hinweisen auf eine Häufung von Stürzen bei Sehbehinderung sind vor allem einige Präventionsstudien gescheitert: Nach Durchführung eines Sehtests und Verordnung einer neuen Brille wurde sogar eine Zunahme von Stürzen in der Behandlungsgruppe beobachtet. Optimistischer stimmen hier Erfahrungen nach Katarakt-Chirurgie.
Die visuellen Einflüsse werden in der Regulation und Feinjustierung mit den vestibulären, propriozeptiven und sensomotorischen Informationen abgestimmt. Sehen ist essentiell für die Planung und Koordination von Bewegung. Die subjektive Sehminderung ist ein gutes Maß für die erlebte Unsicherheit und reflektiert gut Einschränkungen des Kontrastsehens sowie Gesichtsfeldeinschränkungen wieder. Zukünftige Interventionsstudien können zudem besser berücksichtigen, in wieweit eine Sehverbesserung eine aktivierende Wirkung (Wegstrecke, etc.) hat. Erblindung und Sehverschlechterung können Depression, Autonomieverlust sowie einen Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit bewirken.


Ziemssen_Sehproblem_als_Sturzrisiko.pdf

3. Parkinson und Sturzprävention

Dr. Karin Srulijes, Stuttgart/Tübingen

M. Parkinson ist die häufigste neurodegenerative Erkrankung mit einer Prävalenz von 160/100.000 Einwohnern in Deutschland, bei den über 65-Jährigen liegt die Prävalenz bei 1.800/100.000. In Anbetracht des demographischen Wandels ist in Zukunft mit einer weiter steigenden Zahl an Patienten zu rechnen. Fast 70 % dieser Patienten stürzen mindestens einmal jährlich.
Die Kenntnis über die den Stürzen zugrundeliegenden pathophysiologische Prozesse in dieser und verwandten Krankheitsgruppen nimmt zu. Mangelndes körperliches Training, Probleme beim Multitasking, Schrittinitiation, Freezing, Drehen und Transfer, verlängerte Reaktionszeit, falsche Priorisierung und Einfluss additionaler Parkinsonsymptome sind einige der diskutierten potentiellen Sturzursachen.
In diesem Vortrag werden bestehende pathophysiologische Konzepte von Sturzursachen bei Patienten mit M. Parkinson diskutiert und bekannte als auch neuartige Therapieformen thematisiert.


4. Exergaming & Sturzprävention

PD Dr. Eling de Bruin, Zürich

Aufmerksamkeitstraining mittels einer durch virtuelle Realität ergänzten Bewegungsausführung stellt eine neue und sich schnell entwickelnde Technologie dar. Sie fördert die Lust zur Bewegung, vereinigt die Vorteile von Indoor- und Outdooraktivitäten und vermag sogar das Bewegungsverhalten von älteren Menschen zu verbessern. Bei älteren Menschen kann eine virtuell-interaktive Umgebung die Haltungskontrolle beeinflussen und auch als Sturzprophylaxe dienen, in dem sie die sensorischen Bereiche stimuliert, die für die Kontrolle des Gleichgewichts und der Orientierung zuständig sind. Dieses Referat beschreibt die Möglichkeiten eines Einsatzes von Computerunterstütztes Aufmerksamkeitstraining bei älteren Menschen und erklärt die theoretischen Hintergründe der Kombination von körperlicher Aktivität mit gleichzeitigen sensorisch-kognitiven Aufgaben. Erste Untersuchungsergebnisse werden dabei vorgestellt.


DeBruin_Exergaming_und_Sturzpraevention.pdf

5. Angst vor Stürzen - ein Update

PD Dr. Ellen Freiberger, Nürnberg

In den letzten Jahren hat die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Sturzangst neuere Erkenntnisse hervorgebracht.
Die Angst vor Stürzen ist in der Sturzprävention inzwischen als ein wichtiger Risikofaktor anerkannt worden.
Prävalenzraten der Sturzangst bei selbständig lebenden älteren Menschen werden zwischen 21-85% berichtet1 und betreffen auch ältere Menschen ohne eine Sturzbiographie. Es konnten auch Risikofaktoren zur Entwicklung von Sturzangst definiert werden2.
Der Vortrag wird die neuesten Entwicklung zum Thema Sturzangst darstellen und sich besonders mit dem dahinterliegenden psychologischen Konstrukten der Selbstwirksamkeit und Angst beschäftigen.
Weiterhin werden Möglichkeiten der Erfassung der Sturzangst und effektive Interventionen werden in dem Vortrag thematisiert.
Der Vortrag soll eine Anregung geben, in der Sturzprävention nicht nur auf die physiologischen Sturzrisiken zu schauen, sondern auch die psychologischen Risikofaktoren und Konsequenzen zu beachten.

1 Scheffer A, Schuurmans, MJ., van Dijk, N., van der Hooft, T., de Rooij, SE. Fear of falling: measurement strategy, prevalence, risk factors and consequences among older persons. Age Ageing 2008;37:19-24.

2 Kendrick D, Kumar A, Carpenter H, et al. Exercise for reducing fear of falling in older people living in the community. Cochrane Database Syst Rev 2014;11:CD009848.


ab
18:00
Informeller Austausch bei Fingerfood (Foyer Atrium)



Samstag, 28.11.2015

09:00
Grußwort des Bundesministerium für Gesundheit

N.N.


09:20
PRÄVENTIONSANGEBOTE: Status quo der Rahmenbedingungen

Moderation: Prof. Dr. Clemens Becker

1. Älter werden in Balance

Dr. Monika Köster, Köln


2. Neuausrichtung durch das Präventionsgesetz und den neuen GKV-Leitfaden Prävention

Uwe Dresel, Hamburg

Die Neufassung des Leitfadens Prävention der gesetzlichen Krankenkassen und die Verabschiedung des Präventionsgesetzes 2015 haben die Möglichkeit verbessert, Präventionsmaßnahmen für ältere Menschen anzubieten. Ein zentrales Thema ist hier die Sturzprävention. In diesem Vortrag werden die wichtigsten Aspekte praxisnah dargestellt und Hinweise zur Förderung durch die Krankenkassen gegeben.


Dresel_Sturzpraevention_PraevG_und_GKV-Leitfaden.pdf

3. Zentrale Prüfstelle Prävention

Melanie Dold, Berlin

Seit dem 1.1.2014 prüft die Zentrale Prüfstelle Prävention bundesweit Präventionskurse im Auftrag der beteiligten Krankenkassen (Kooperationsgemeinschaft) und stellt damit fest, ob diese den gesetzlichen Vorgaben des § 20 Abs. 1 SGB V entsprechen. Nach erfolgreicher Prüfung erhält der Kursleiter für den Präventionskurs ein Zertifikat mit dem Siegel „Deutscher Standard Prävention“ und gehört damit zu den qualitätsgeprüften Anbietern von Kursen in Deutschland, die von den beteiligten Krankenkassen bezuschusst werden. Die Einführung des zentralen Prüfverfahrens ist für Krankenkassen, Anbieter und Versicherte mit vielen Vorteilen verbunden. Doppelprüfungen auf Seiten der Krankenkassen mit unterschiedlichen Prüfergebnissen gehören seither der Vergangenheit an und die Kursunterlagen müssen seither vom Kursleiter nur noch einmal online eingereicht werden.

Die Krankenkassen kommen damit auf höchst effiziente und transparente Weise ihrem gesetzlichen Auftrag nach, nur qualitätsgeprüfte Kurse zu bezuschussen. Die aktuellen Zahlen sprechen für den Erfolg der Prüfstelle und die Verfahrensweise. Mittlerweile sind über 100.000 Prüfanträge über die Onlineplattform www.zentrale-pruefstelle-praevention.de eingegangen und in der Prüfstelle geprüft worden. Insgesamt befinden sich über 130.000 Anbieter mit über 400.000 Kursen in der Datenbank – Tendenz steigend. Um den Prüfprozess für die Anbieter möglichst einfach zu gestalten und das System im Sinne aller Akteure weiter zu professionalisieren wird die Weiterentwicklung auch zukünftig intensiv betrieben. Der Vortrag berichtet über die zurückliegende Aufbauarbeit, die wichtigsten Abläufe und Nutzungsmöglichkeiten sowie die aktuellsten Entwicklungen in der Zentrale Prüfstelle Prävention.


Dold_Zentrale_Pruefstelle_Praevention.pdf

10:30
Pause

11:00
VORMITTAG-WORKSHOP - Block I

Eine genauere Beschreibung finden Sie unter: » Workshops

Bitte einen Workshop wählen. Alle Workshops werden in deutscher Sprache gehalten.



I.1. Trittsicher
Karin Kampe, Stuttgart

I.2. Exergaming – Silverfit
Lars Schwickert, Stuttgart

I.3. Ronnie Gardiner Methode Deutschland
Stefanie Riedelbauch / Lisa Nürk, Berlin, Groningen

I.4. Standfest und stabil
Anke Ernst, Karlsruhe

I.5. Stepping exercise
PD Dr. Ellen Freiberger, Nürnberg

I.6. Cueing Strategien
Susanne Schulz, Würzburg

I.7. Sicher und mobil bleiben in der Pflegeeinrichtung – Ein nachhaltig orientiertes Konzept zur Sturzprophylaxe
André Wegener, Rheinland

I.8. Kommunale Sturzprävention
Andrea Spies, Ludwigshafen

12:30
Mittagspause und Demostände im Foyer

13:30
STURZPRÄVENTION: Qualitätssicherung, Motivation & Dissemination

Moderation: Ute Blessing-Kapelke

1. Gewinnen der Teilnehmer – aber wie? Mögliche Ansatzpunkte und notwendige Rahmenbedingungen

Miriam Schreck, Frankfurt

Inaktive Ältere für ein neues Bewegungsangebot zu gewinnen ist eine große Herausforderung, der sich jeder Anbieter stellen muss. Als Turn- und Sportverein ist die Zielgruppe der inaktiven Älteren sehr interessant, aber ebenso weit weg. Wo und wie kann die Zielgruppe erreicht werden?

In diesem kurzen Vortrag sollen anhand der Erkenntnisse des AUF Leben Projekts Ansatzpunkte für Teilnehmerakquise und zu beachtende Rahmenbedingungen der Bewegungsangebote dargestellt werden. Das AUF Leben Projekt ist ein Teilprojekt des DTB des gleichnamigen Gesamtprojekts des DOSB mit finanzieller Unterstützung des BMFSFJ. Es hatte zum Ziel in verschiedenen Standorten Bewegungsangebote für inaktive Hochaltrige und für Menschen mit Demenz nachhaltig einzuführen. Ansatzpunkt war hierbei eine Kooperation zwischen Kommune und Turn- und Sportverein, woraus sich in jedem Standort ein größeres Netzwerk mit weiteren Seniorenorganisationen und sozialen Einrichtungen entstand.


Schreck_Gewinnen_der_Teilnehmer.pdf

2. Qualifizierungen im organisierten Sport zur Sturzprävention

Anke Borhof, Duisburg

Das Thema "Sturzprävention" und entsprechende Inhalte der Sportpraxis sind in den Ausbildungskonzeptionen der Sportverbände und Landessportbünde, die Qualifizierungen und Fortbildungen für die Zielgruppe der Älteren anbieten, fest verankert. Das Thema wird ganzheitlich und integriert bearbeitet und von den Übungs- und Kursleitungen in die Sportstunden für Ältere als regelmäßiger Bestandteil eingebracht, um eine effektive Grundlage zur Vermeidung von Stürzen und sturzbedingten Verletzungen zu schaffen. Eine Spezialisierung für die Leitung von Angeboten für sturzgefährdete oder bereits gestürzte Personen bietet der organisierte Sport nach der ÜL-C-Lizenzausbildung über Fortbildungsangebote und auf der zweiten 2. Lizenzstufe an. Dabei fließen die Empfehlungen der Bundesinitiative Sturzprävention in die Konzeptionen ein und sichern somit zusätzlich die Qualität der Ausbildung. In diesem Beitrag wird die Struktur der DOSB-Lizenzausbildung vorgestellt, der Qualifizierungsweg aufgezeigt und die Inhalte der Fortbildungen exemplarischen dargestellt. Auch auf die Möglichkeit, nach dem aktuellen GKV-Leitfaden Prävention, Angebote im Bereich der Sturzprävention mit einem SPORT PRO GESUNDHEIT-Siegel anbieten zu können und durch die gesetzlichen Krankenkassen bezuschussen zu lassen, wird kurz eingegangen.


Borhof_Qualifizierung_im_Sport.pdf

3. Trittsicher durchs Leben

Michael Holzer, Landshut / PD. Dr. Kilian Rapp, Stuttgart

Hintergrund
Stürze und Frakturen gehören zu den herausragenden medizinischen Problemen im Alter. Maßnahmen zur Reduktion von Stürzen und Frakturen sind verfügbar, kommen der Risikopopulation aber nur selten zugute. Für ältere Menschen, die im ländlichen Raum leben, besteht zudem das Problem der Verfügbarkeit bzw. Erreichbarkeit diagnostischer und therapeutischer Angebote.

Ziele
Entwicklung eines versorgungsmedizinischen Programms zur Reduktion von Stürzen und Frakturen für ältere Menschen im ländlichen Raum.

Methoden und Maßnahmen
„Trittsicher durchs Leben“ ist ein Programm der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen LandFrauenverband, dem Deutschen Turner-Bund und dem Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart und beinhaltet 3 Komponenten: 1.) „Trittsicher“-Bewegungskurse zur Förderung der körperlichen Fitness und Verbesserung der Standfestigkeit, 2.) Untersuchung der Knochengesundheit und 3.) Sicherheit rund um Haus und Hof.
Die Implementierung findet in 47 zufällig ausgewählten Landkreisen in 5 Bundesländern statt (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz). Es ist geplant, innerhalb von 2 Jahren mehr als 10.000 Versicherte in den Interventionslandkreisen aktiv anzusprechen und sie für einen „Trittsicher“-Bewegungskurs oder eine kostenlose Knochendichtemessung zu motivieren. Zudem erfolgt eine Beratung vor Ort zur Sicherheit rund um Haus und Hof. „Trittsicher“-Bewegungskurse werden von den LandFrauen vor Ort organisiert und können im Rahmen des „Setting-Ansatzes“ auch von anderen älteren Personen besucht werden. Für Organisation und Vermittlung von Teilnehmenden wurden drei Trittsicher-Telezentren aufgebaut. Die Präsentation gibt einen Überblick über Ziele, Logistik und geplante Evaluation des Programms.


Holzer_Trittsicher_durchs_Leben.pdf

4. Lebenswelt Pflegeeinrichtung als optimales Setting zur Umsetzung sturzpräventiver Maßnahmen am Beispiel der AOK Rheinland/Hamburg

Silvia Bieling, Rheinland


Bieling_Lebenswelt_Pflegeheim.pdf

5. Der Aktivierende Hausbesuch vom Roten Kreuz

Angelika Farnung, Stuttgart / Sarah Hoppe, Berlin

Der Aktivierende Hausbesuch vom Roten Kreuz
In regelmäßigen Abständen muss das Rote Kreuz seine Aktivitäten auf den Prüfstand stellen. Sind wir dort, wo die Not am Größten ist? Sind wir mit unserem Tun dort, wo Hilfe dringend erforderlich ist? Erreichen wir mit unseren Angeboten die Menschen in Not? Was brauchen Menschen heute, wofür es noch keine Anbieter gibt?
Bei diesen Fragen wurde der Kreisverband Tübingen zusammen mit dem Gesundheitsamt vor 7 Jahren auf die Menschen aufmerksam, die alleine nicht mehr das Haus verlassen können. Eine Zielgruppe, die in den kommenden Jahren immer größer werden wird und die einen Bedarf an sozialen Kontakten und an angeleiteter Bewegung, um dem langsamen körperlichen Abbau entgegen zu wirken, hat. Durch die Bewegung sollen die Mobilität, die Kraft und Ausdauer, die Koordinationsfähigkeit und Gedächtnisleistung erhalten oder wenn möglich verbessert werden. Keine sportlichen Höchstleistungen sind das Ziel, sondern der Erhalt der Alltagsfähigkeiten, um weiterhin selbständig wohnen zu können, Stürze zu vermeiden und gegebenenfalls wieder an den gesellschaftlichen Angeboten teilnehmen zu können.
Die Referentinnen stellen den Aktivierenden Hausbesuch, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, als neues Angebot der Gesundheitsprogramme des Roten Kreuzes vor.


Farnung_Aktivierender_Hausbesuch_DRK.pdf

6. Physiotherapie und Sturzprävention

Susanne Schulz, Würzburg

Der Vortrag gliedert sich in zwei Teile: Im 1. Teil wird die Rolle der Physiotherapie in der Sturzprävention beleuchtet. In welchen Bereichen findet in der Physiotherapie Sturzprävention statt und welche Aufgaben und Ziele können Physiotherapeuten übernehmen.
Im 2.Teil wird die Ausbildung für Physiotherapeuten zum Sturzpräventionstrainer ZVK vorgestellt.
Seit 2008 bietet der Deutsche Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V., Physio-Deutschland, die Fortbildung zum ZVK-anerkannten Sturzpräventionstrainer an. Diese Fortbildung wurde in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. In zwei Modulen von 20 bzw. 24 Stunden werden u.a. das Otago-Programm und das Programm „Standfest im Alter“ von PD. Dr. Ellen Freiberger als evidenzbasierte Interventionen vorgestellt. In Eigenarbeit vertiefen die Teilnehmer zwischen den Modulen ihre Kenntnisse bezüglich den Empfehlungen der Bundesinitiative Sturzprävention und den internationalen Leitlinien zur Sturzprävention.


Schulz_Physio_und_Sturzpraevention.pdf

15:30
NACHMITTAG-WORKSHOP - Block II

Eine genauere Beschreibung finden Sie unter: » Workshops

Bitte einen Workshop wählen. Alle Workshops werden in deutscher Sprache gehalten.



II.1. Otago
Michaela Kohler, Stuttgart

II.2. Exergaming – Silverfit
Lars Schwickert, Stuttgart

II.3. Ronnie Gardiner Methode Deutschland
Stefanie Riedelbauch / Lisa Nürk, Berlin, Groningen

II.4. HiFE : High-intensity functional exercise program
Susanne Kastner, Rosenheim

II.5. Integration von Kraft- und Balanceübungen in den Alltag: Das „Lifestyle-integrated Functional Exercise (LiFE)“ Programm
Dr. Michael Schwenk, Stuttgart

II.6. Kommunale Bewegungsförderung für Ältere am Beispiel der Landshauptstadt Stuttgart
Carolin Barz, Stuttgart

II.7. Backward Chaining, Bodentraining
Susanne Schulz, Würzburg

II.8. Sturzprävention in der DRK-Gymnastik
Gabriele Eberbach, Stuttgart

17:00
Ende der Tagung


WORKSHOPS

Block I

I.1
Trittsicher

Karin Kampe, Stuttgart

Ein Programm der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen LandFrauenverband e.V. und dem Deutschen Turner-Bund e.V. (DTB).

„Trittsicher durchs Leben“ will Menschen aus ländlichen Regionen darin unterstützen, ihre Mobilität und Selbständigkeit zu erhalten, um ihnen die Dinge, die das Leben lebenswert machen, wie der Spaziergang mit den Enkeln, das Bestellen des Gartens oder das Mitwirken auf dem Hof, bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Stürze durch fehlende Standfestigkeit treten bei älteren Menschen häufig auf und bedrohen Mobilität und Selbständigkeit erheblich. Hier setzt das Programm an:

Ziel ist die Verbesserung von Kraft und Gleichgewicht. Ein wesentlicher Bestandteil ist das Erlernen eines Eigenübungsprogramms. Um eine Übungsmotivation aufzubauen, sollen nicht nur die Effekte auf die körperliche Leistungsfähigkeit aufgezeigt, sondern auch die positiven Auswirkungen auf Situationen oder Tätigkeiten aus dem Alltag deutlich gemacht werden. Die Übungsauswahl beschränkt sich auf einfache Kraft- und Gleichgewichtsübungen, die in jeder Einheit praktiziert werden. In den Kurseinheiten werden Aspekte der Trainingssteuerung vermittelt, um die Kursteilnehmer zum selbstständigen Heimtraining zu befähigen. Es werden unterschiedliche Strategien angeboten, um den Aufbau von Bindung an gesundheitssportliche Aktivität zu erleichtern. Der Kursteilnehmer plant eigenständig, aber mit der Unterstützung des Kursleiters, möglichst konkret die Umsetzung des Heimprogramms (Wann/Wo durch-zuführen? Welche Barrieren? Was ist hilfreich?). In einigen Einheiten sollen die Kursteilnehmer ihr individuell zusammengestelltes Heimprogramm (jeder für sich oder in Partnerarbeit) wiederholen. Dadurch kann der Kursleiter erkennen, wo Schwierigkeiten in der Übungsdurchführung liegen und kann ggf. die Trainingsintensität anpassen. In einigen Einheiten werden gemeinsam in der Gruppe Strategien besprochen, die den Kursteilnehmern die Umsetzung des Heimprogramms erleichtern sollen.


Workshop_I_1_Kampe_Trittsicher.pdf

I.2
Exergaming – Silverfit

Lars Schwickert, Stuttgart

Bewegungsprogramme stehen im Fokus der Sturzprävention bei zunehmend gebrechlichen älteren Menschen. Besonderes Interesse haben dabei virtuelle Therapieformen geweckt, sogenannte Exergames (Exercise & Games). Diese Trainingsform ist eine vielversprechende Methode, um motorische, sensorische und kognitive Prozesse durch visuelles und auditives Feedback anzusteuern und damit Sturzrisikofaktoren im Training zu adressieren. Erste Pilot Interventionsstudien (Schöne 2013, Pichierri 2012) konnten belegen, dass Exergames das Potential besitzen, die Ausführung bestimmter Schrittmuster im Hinblick auf Balance und Reaktion zu verbessern und somit sicherer zu machen. Zusätzlich konnten durch den motivationalen Einfluss des interaktiven und spaßigen Spielecharakters die Therapietreue erhöht und höhere Wiederholungszahlen im Training generiert werden (Rhodes et al., 2009). In einer kontrollierten Studie von Anderson-Hanley und Kollegen (2012) wurden zudem Effekte virtueller Trainingstherapie auf die kognitive Leistungsfähigkeit (Exekutivfunktion) beobachtet. Das Silver Fit Exergaming System nutzt eine 3D Kamera um die Bewegungen der Nutzer in eine virtuelle Spieleumgebung zu übertragen. Die Spiele erlauben dabei, die Bewegungsanforderung präzise auf den Nutzer anzupassen und individuelle oder kombinierte Bewegungsmuster zu trainieren. Im Vergleich verschiedener Exergames (Skjaeret 2014) zeigte sich das SilverFit System als besonders wirksam im Hinblick auf die Verbesserung der posturalen Balance und der Variabilität von Bewegungsgeschwindigkeit und Schrittlänge in verschiedene Bewegungsrichtung. Nach dem Motto George Bernard Shaws “We don't stop playing because we grow old; we grow old because we stop playing” bietet der Workshops allen Teilnehmer die Möglichkeit, verschiedene Bewegungsspiele mit dem SilverFit Exergaming System zu testen und Vor- und Nachteile in der Anwendung bei älteren Menschen zu diskutieren.

1 Schoene D, Lord SR, Delbaere K, Severino C, Davies TA, Smith ST. A Randomized Controlled Pilot Study of Home-Based Step Training in Older People Using Videogame Technology. Berthold HK, editor. PLoS ONE. 2013 Mar 5;8(3):e57734.
2. Pichierri G, Coppe, Lorenzetti, Murer, de Bruin. The effect of a cognitive-motor intervention on voluntary step execution under single and dual task conditions in older adults: a randomized controlled pilot study. Clin Interv Aging. 2012 Jul;175.
3. Rhodes RE, Warburton DER, Bredin SSD. Predicting the effect of interactive video bikes on exercise adherence: An efficacy trial. Psychol Health Med. 2009 Dec;14(6):631–40.
4. Anderson-Hanley C, Arciero PJ, Barcelos N, Nimon J, Rocha T, Thurin M, et al. Executive function and self-regulated exergaming adherence among older adults. Front Hum Neurosci [Internet]. 2014 Dec 5 [cited 2015 Sep 10];8.
5. Skjaeret N, Nawaz A, Ystmark K, Dahl Y, Helbostad JL, Svanaes D, et al. Designing for Movement Quality in Exergames: Lessons Learned from Observing Senior Citizens Playing Stepping Games. Gerontology. 2014 Nov 13;61(2):186–94.

I.3
Ronnie Gardiner Methode Deutschland

Stefanie Riedelbauch / Lisa Nürk, Berlin, Groningen

„Rhythm is life and life is rhythm“ – Rhythmus ist untrennbar mit unserem Leben verbunden. Diese Erkenntnis bewegte den US-amerikanischen Jazz-Schlagzeuger Ronnie Gardiner dazu, eine Trainingsmethode zu entwickeln, die die Elemente Rhythmus, Musik, Bewegung und Sprache in einzigartigen Bodypercussion-Übungen miteinander kombiniert. In der Ronnie Gardiner Methode (im Folgenden RGM) wird das Gehirn durch visuelle, auditive und taktil-kinästhetische Reize auf vielseitige Art stimuliert, wodurch der Aufbau neuer neuronaler Bahnen angeregt wird. Dies fördert die Rehabilitation bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems (MS, Morbus Parkinson, Schlaganfall, Demenz). Darüber hinaus wird die Methode seit einigen Jahren auch bei Kindern und Erwachsenen mit Lern- und Konzentrationsproblemen (Legasthenie, Dyskalkulie und ADHS) und bei Menschen mit Burn-Out oder Depressionen eingesetzt. Entwickelt in Zusammenarbeit mit Neurowissenschaftlern aus Schweden, ist RGM auch in England, Israel und den Niederlanden vertreten. Nach den positiven Erfahrungen in diesen Ländern wird die Methode seit diesem Jahr erstmalig in Deutschland eingeführt und im Oktober konnten die ersten Trainer zertifiziert werden.

In diesem Workshop erfahren Sie mehr über die Hintergründe und die Entwicklung von RGM. In praktischen Übungen erleben Sie die positive Wirkung der Methode auf das eigene Wohlbefinden, die Balance und das Konzentrationsvermögen. In der Arbeit mit Musik und Rhythmus profitieren Sie gleichsam von der vielschichtigen Herausforderung und schnellen Erfolgserlebnissen.

Weitere Informationen und Referenzen zur Ronnie Gardiner Methode finden Sie unter www.ronniegardinermethode.de oder www.ronniegardinermethod.com

I.4
Standfest und stabil

Anke Ernst, Karlsruhe

In diesem Workshop wird ein kleiner Einblick in das standardisierte Bewegungsprogramm „Standfest und stabil“ des Deutschen Turner-Bundes gegeben. Innerhalb des Bewegungskurses werden die Gleichgewichtsfähigkeit, die Beinmuskelkraft und die Alltagsbewältigungskompetenz älterer Menschen trainiert. Dadurch werden die Standfestigkeit und die Bewegungssicherheit im Alltag erhalten und das Sturzrisiko reduziert. Das Programm basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Sturzprävention im Alter und orientiert sich maßgeblich an den Empfehlungen der Bundesinitiative Sturzprävention.

Das standardisierte Programm eignet sich hervorragend für inaktive Ältere als Einstieg in einen aktiveren und präventiv wirksamen Lebensstil.


Workshop_I_4_Stengele_I_Teil_Standfest_und_Stabil.pdf
Workshop_I_4_Stegnele_II_Teil_Standfest_und_Stabil.pdf

I.5
Stepping exercise

PD Dr. Ellen Freiberger, Nürnberg

In diesem praktischen Workshop geht es um die Anwendungsmöglichkeiten der positiven Verbesserung der Standfestigkeit bei selbständig lebenden, älteren Menschen in der Vereinsarbeit.

Das Trainingsprogramm Stepping Pattern kommt aus Japan und ist wissenschaftlich bereits publiziert (Shigematsu R, Okura T, Nakagaichi M, et al. Square-Stepping Exercise and Fall Risk Factors in Older Adults: A Single-Blind, Randomized Controlled Trial. The Journals of Gerontology Series A: Biological Sciences and Medical Sciences. January 1, 2008 2008;63(1):76-82.):

Der Workshop führt in das Trainingsprogramm „Stepping pattern“ ein. In dem Trainingsprogramm geht es darum, verschiedene Schrittkombination zur Verbesserung von Gleichgewicht und Gang kennen zu lernen. Der Workshop wird besonders auf die Bewältigung bei Mehrfachaufgaben im Alltag eingehen und Trainingsmöglichkeiten aufzeigen. Im WS wird auch besonders auf den Bezug zwischen Training und Alltagserfahrungen hingewiesen.

I.6
Cueing Strategien

Susanne Schulz, Würzburg

Sturzrisikofaktoren, wie Gleichgewichtsdefizite, motorische Blockaden, Rumpffehhaltungen, plötzliche Wechsel zwischen beweglichen und unbeweglichen Phasen und kognitive Defizite gehören zum Krankheitsbild von Morbus Parkinson in den mittleren und späteren Phasen.

Parkinson-Patienten haben im Vergleich zur übrigen Bevölkerung ein erhöhtes Sturz – und Verletzungsrisiko. 38-68% der Patienten erfahren einen Sturz. Die meisten Stürze finden im häuslichen Bereich beim Gehen, Aktivitäten im Stand und bei Transferleistungen statt. Als Prädiktor für weitere Stürze gelten zwei oder mehr Stürze im vergangenen Jahr.

Auslösender Faktor der Stürze von Patienten mit Morbus Parkinson ist in häufigen Fällen Freezing. Als Freezing werden Gangstörungen mit plötzlichem Einfrieren während der Bewegung bezeichnet. Es kann ein Festkleben am Boden und Trippelschritte beobachtet werden. Im Alltag kann Freezing in folgenden Situationen auftreten: nach längerem Sitzen und Stehen, beim durch queren räumlicher Enge (Türen, Eingänge, Absperrungen), beim Losgehen und bei Wendemanövern. Nach überwinden der Blockade kann ein normaler Gang beobachten werden. Die Gangblockaden können auch unter Dopaminersatztherapie sowohl in on- als auch in off-Phasen auftreten.

Zur Bewältigung der Blockaden lassen sich Cueing-Strategien (Cueing = Hinweisreize geben) einsetzen. Cueing-Strategien können den Beginn des Gehens und das Überwinden von plötzlichen Stopps erleichtern.

In diesem Workshop erhält der Teilnehmer einen Überblick über visuelle, auditive, propriozeptive und kognitive Cueing-Strategien. Des Weiteren werden die dazu erforderlichen Hilfsmittel und mögliche Assessmentverfahren vorgestellt. Die vorgestellten Inhalte basieren auf Grundlage aktueller Guidelines und Studien.

I.7
Sicher und mobil bleiben in der Pflegeeinrichtung – Ein nachhaltig orientiertes Konzept zur Sturzprophylaxe

André Wegener, Rheinland

Das Angebot „Sicher und mobil bleiben“ der AOK Rheinland/Hamburg befähigt Fachkräfte aus Pflegeeinrichtungen, ein an das Ulmer Modell angelehntes Kraft- und Balancetraining für Bewohnerinnen und Bewohner anzuleiten. Durch die Berücksichtigung zusätzlicher Trainingsmaterialien sowie der Integration von Dual-Tasking-Aufgaben können die geschulten Pflegefachkräfte bzw. MitarbeiterInnen aus dem Sozialen Dienst die Attraktivität, die Zielgerichtetheit und damit auch die Effektivität des Gruppenangebotes steigern. In dem Workshop werden anhand von Praxisbeispielen Einblicke in die Umsetzung und Weiterentwicklung eines Kraft-Balance-Trainings in Pflegeeinrichtungen unter besonderer Berücksichtigung einer demenziellen Erkrankung gegeben. Erfahrungen aus über 500 teilnehmenden Einrichtungen fließen in den Workshop ein.

I.8
Kommunale Sturzprävention

Andrea Spies, Ludwigshafen

In diesem Workshop wird das evaluierte Programm „Standfest Älter werden“ in seiner Vielseitigkeit vorgestellt. Entsprechend den Zielen:

Ziele Sturzrisikominderung durch
• Stärkung der Gesundheitsressourcen, d.h. Kraftzuwachs vor allem in den Beinen, in der Aufrichte-Muskulatur des Rückens, Stützkraft und Gangbildverbesserung
• Verbesserung der Koordination vor allem Gleichgewicht, Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit
• Angstminderung, verbesserte Sicherheit, mehr Selbstvertrauen durch Gespräche
• Änderung des risikoreichen Alltagsverhaltens durch Aufklärung und intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Sturz

werden folgende Inhalte kurz dargestellt und erarbeitet:
• Gangschule
• Bewegungs- u. Koordinationstraining, insbes. Gleichgewicht, Fußgelenk und Schrittstrategie
• Gezielte Ganzkörperkräftigung, Mehrgelenkiges Krafttraining für Beine und Rumpf
• Vermittlung von Handlungs- und Effektwissen für den Alltag, u.a. Veränderungen im Alter und Besprechung aller Sturzursachen.


Block II

II.1
Otago

Michaela Kohler, Stuttgart

Das in Neuseeland entwickelte Otato-Trainingsprogramm gilt als das weltweit am besten untersuchteste Sturzpräventionsprogramm. Es besteht aus einfachen Übungen zur Verbesserung von Gleichgewicht und Kraft und zielt darauf ab, die Selbständigkeit älterer Menschen zu erhalten und zu verbessern sowie Stürze zu vermeiden. Das Hauptanliegen des Programms ist es, Teilnehmer zum eigenständigen Training zu befähigen und zu motivieren. Dazu besucht ein speziell ausgebildeter Therapeut einen älteren Menschen über ein halbes Jahr hinweg zu Hause. Bei den insgesamt 5 Hausbesuchen wird ein individuelles Übungsprogramm zusammengestellt und regelmäßig angepasst. Ziel ist, dass der Teilnehmer das Trainingsprogramm selbständig regelmäßig durchführt. Zwischen den Hausbesuchen hält der Therapeut telefonisch zum Teilnehmer Kontakt um Fragen zu klären und die Trainingsmotivation zu verbessern.

Eine Vielzahl von Studien belegt die Wirksamkeit von Otago. Die Anzahl der Stürze wie auch die Anzahl der sturzbedingten Verletzungen konnten durchschnittlich um 35% reduziert werden1. Auch nachhaltig zeigte Otago Wirksamkeit: In der Nachbefragung einer Studie gaben rund 45% der Teilnehmer an, auch zwei Jahre nach Studienbeginn weiterhin 3x wöchentlich zu trainieren2.

Besonders wirksam zeigte sich das Programm bei den über 80-Jährigen1; eine Zielgruppe, für die es in Deutschland bislang wenige Angebote zur Sturzprävention gibt.

Um diese Lücke zu schließen wurde das Otago-Trainingsprogramm in einem Modellversuch seit 2012 erstmalig in Deutschland von zwei Krankenkassen finanziert. Seitdem können Ärzte in der Modellregion Reutlingen Versicherten der beteiligten Krankenkassen das Otago-Programm verschreiben.

Dieser Workshop bietet eine praktische Einführung in die Otago-Übungen. Weiterhin werden Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Modellversuch in Reutlingen dargestellt und weitere Chancen und Perspektiven für das Otago-Programm diskutiert.


1 Robertson MC, Campbell AJ, Gardner MM, Devlin N. Preventing injuries in older people by preventing falls: a meta-analysis of individual-level data. J Am Geriatr Soc 2002; 50: 905-911.

2 Campbell AJ, Robertson MC, Gardner MM, Norton RN, Buchner DM. Falls prevention over two years: a randomized controlled trial in women 80 years and older. Age Ageing 1999; 28: 513-518.

II.2
Exergaming – Silverfit

Lars Schwickert, Stuttgart

Bewegungsprogramme stehen im Fokus der Sturzprävention bei zunehmend gebrechlichen älteren Menschen. Besonderes Interesse haben dabei virtuelle Therapieformen geweckt, sogenannte Exergames (Exercise & Games). Diese Trainingsform ist eine vielversprechende Methode, um motorische, sensorische und kognitive Prozesse durch visuelles und auditives Feedback anzusteuern und damit Sturzrisikofaktoren im Training zu adressieren. Erste Pilot Interventionsstudien (Schöne 2013, Pichierri 2012) konnten belegen, dass Exergames das Potential besitzen, die Ausführung bestimmter Schrittmuster im Hinblick auf Balance und Reaktion zu verbessern und somit sicherer zu machen. Zusätzlich konnten durch den motivationalen Einfluss des interaktiven und spaßigen Spielecharakters die Therapietreue erhöht und höhere Wiederholungszahlen im Training generiert werden (Rhodes et al., 2009). In einer kontrollierten Studie von Anderson-Hanley und Kollegen (2012) wurden zudem Effekte virtueller Trainingstherapie auf die kognitive Leistungsfähigkeit (Exekutivfunktion) beobachtet. Das Silver Fit Exergaming System nutzt eine 3D Kamera um die Bewegungen der Nutzer in eine virtuelle Spieleumgebung zu übertragen. Die Spiele erlauben dabei, die Bewegungsanforderung präzise auf den Nutzer anzupassen und individuelle oder kombinierte Bewegungsmuster zu trainieren. Im Vergleich verschiedener Exergames (Skjaeret 2014) zeigte sich das SilverFit System als besonders wirksam im Hinblick auf die Verbesserung der posturalen Balance und der Variabilität von Bewegungsgeschwindigkeit und Schrittlänge in verschiedene Bewegungsrichtung. Nach dem Motto George Bernard Shaws “We don't stop playing because we grow old; we grow old because we stop playing” bietet der Workshops allen Teilnehmer die Möglichkeit, verschiedene Bewegungsspiele mit dem SilverFit Exergaming System zu testen und Vor- und Nachteile in der Anwendung bei älteren Menschen zu diskutieren.

1 Schoene D, Lord SR, Delbaere K, Severino C, Davies TA, Smith ST. A Randomized Controlled Pilot Study of Home-Based Step Training in Older People Using Videogame Technology. Berthold HK, editor. PLoS ONE. 2013 Mar 5;8(3):e57734.
2. Pichierri G, Coppe, Lorenzetti, Murer, de Bruin. The effect of a cognitive-motor intervention on voluntary step execution under single and dual task conditions in older adults: a randomized controlled pilot study. Clin Interv Aging. 2012 Jul;175.
3. Rhodes RE, Warburton DER, Bredin SSD. Predicting the effect of interactive video bikes on exercise adherence: An efficacy trial. Psychol Health Med. 2009 Dec;14(6):631–40.
4. Anderson-Hanley C, Arciero PJ, Barcelos N, Nimon J, Rocha T, Thurin M, et al. Executive function and self-regulated exergaming adherence among older adults. Front Hum Neurosci [Internet]. 2014 Dec 5 [cited 2015 Sep 10];8.
5. Skjaeret N, Nawaz A, Ystmark K, Dahl Y, Helbostad JL, Svanaes D, et al. Designing for Movement Quality in Exergames: Lessons Learned from Observing Senior Citizens Playing Stepping Games. Gerontology. 2014 Nov 13;61(2):186–94.

II.3
Ronnie Gardiner Methode Deutschland

Stefanie Riedelbauch / Lisa Nürk, Berlin, Groningen

„Rhythm is life and life is rhythm“ – Rhythmus ist untrennbar mit unserem Leben verbunden. Diese Erkenntnis bewegte den US-amerikanischen Jazz-Schlagzeuger Ronnie Gardiner dazu, eine Trainingsmethode zu entwickeln, die die Elemente Rhythmus, Musik, Bewegung und Sprache in einzigartigen Bodypercussion-Übungen miteinander kombiniert. In der Ronnie Gardiner Methode (im Folgenden RGM) wird das Gehirn durch visuelle, auditive und taktil-kinästhetische Reize auf vielseitige Art stimuliert, wodurch der Aufbau neuer neuronaler Bahnen angeregt wird. Dies fördert die Rehabilitation bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems (MS, Morbus Parkinson, Schlaganfall, Demenz). Darüber hinaus wird die Methode seit einigen Jahren auch bei Kindern und Erwachsenen mit Lern- und Konzentrationsproblemen (Legasthenie, Dyskalkulie und ADHS) und bei Menschen mit Burn-Out oder Depressionen eingesetzt. Entwickelt in Zusammenarbeit mit Neurowissenschaftlern aus Schweden, ist RGM auch in England, Israel und den Niederlanden vertreten. Nach den positiven Erfahrungen in diesen Ländern wird die Methode seit diesem Jahr erstmalig in Deutschland eingeführt und im Oktober konnten die ersten Trainer zertifiziert werden.

In diesem Workshop erfahren Sie mehr über die Hintergründe und die Entwicklung von RGM. In praktischen Übungen erleben Sie die positive Wirkung der Methode auf das eigene Wohlbefinden, die Balance und das Konzentrationsvermögen. In der Arbeit mit Musik und Rhythmus profitieren Sie gleichsam von der vielschichtigen Herausforderung und schnellen Erfolgserlebnissen.

Weitere Informationen und Referenzen zur Ronnie Gardiner Methode finden Sie unter www.ronniegardinermethode.de oder www.ronniegardinermethod.com

II.4
HiFE : High-intensity functional exercise program

Susanne Kastner, Rosenheim

In diesem Workshop wird das HIFE - Programm vorgestellt und mögliche Anwendungsgebiete besprochen.

Das High-Intensity Functional Exercise Program (HIFE - Programm) wurde für die Studie für „ältere, gebrechliche Menschen - Aktivität und Ernährung“ (FOPANU - Studie) in Umeå an der Universität von Umeå in Schweden, entwickelt. In einer Pilotstudie wurde die Anwendbarkeit in deutschen Pflegeheimen untersucht (bestätigt?).

Die Zielsetzung des HIFE - Programms ist die Verbesserung der Beinkraft, der Balance und der Gehfähigkeit der Teilnehmer.

Kennzeichnend für das HIFE - Programm ist:

• Die Übungen werden in funktionellen Ausgangsstellungen ausgeführt
• Es werden für die Teilnehmer relevante Bewegungsabläufe eingeübt
• Die Übungen werden am Limit der individuellen Gleichgewichtsfähigkeit und im Maximalkraftbereich ausgeführt
• HIFE kann in der Einzeltherapie oder in kleinen Gruppen durchgeführt werden
• Es ist ohne Zugang zu speziellen Übungseinrichtungen ausführbar
• Es ist adaptierbar für gebrechliche Senioren mit unterschiedlichen funktionellen Fähigkeiten, einschließlich selbständig gehfähiger Menschen und Menschen, die Hilfe bei jeglicher Fortbewegung benötigen.
• Die Intensität wird im Verlauf des Trainingszeitraumes gesteigert, so dass eine Progression der Belastung erreicht wird und jeder Teilnehmer soweit möglich im Maximalkraftbereich trainiert.

Susanne Kastner ist Diplom - Physiotherapeutin und hat in Ihrer Masterarbeit eine Pilotstudie zur Anwendbarkeit des HIFE - Programms in zwei deutschen Pflegeheimen durchgeführt.


Workshop_II_4_Kastner_HiFE.pdf

II.5
Integration von Kraft- und Balanceübungen in den Alltag: Das „Lifestyle-integrated Functional Exercise (LiFE)“ Programm

Dr. Michael Schwenk, Stuttgart

Nur ein geringer Teil der älteren Menschen führt regelmäßig gezieltes Kraft- und Balancetraining zur Sturzprävention durch. Eine zentrale Frage ist daher, wie man Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter zu einem gezielten, regelmäßigen und langfristigen körperlichen Training führen kann? Ein relativ neuer Interventionsansatz ist das „Lifestyle- Integrated Functional Exercise (LiFE)“ Programm. Es basiert auf der Idee, spezifische und evidenzbasierte Trainingsübungen in der Alltagsroutine einer Person zu verankern, anstatt diese im Rahmen eines separaten, formalen Bewegungsprogramms durchzuführen. Im LiFE Programm werden Alltagsaufgaben wie beispielsweise von einem Stuhl aufstehen, Stehen, Gehen, oder über Gegenstände/Hindernisse steigen so modifiziert, dass sie einen relevanten Trainingseffekt auf die Balance- und Kraftfähigkeit haben. Das LiFE Programm wird individualisiert vermittelt – d.h. die persönliche Alltagsroutine eines/r Teilnehmers/in gibt vor, wann und wo Balance, Kraft und Mobilität trainiert werden. Der große Vorteil des LiFE Programms ist, dass viele Alltagsaktivitäten mehrfach am Tag praktiziert werden und damit eine häufige Wiederholung von Balance und Kraftübungen gewährleistet ist. Im Gegensatz dazu werden separate Trainingsprogramme in der Regel maximal zwei- oder dreimal pro Woche durchgeführt. In einer umfangreichen randomisierten kontrollierten Studie konnte gezeigt werden, dass das LiFE Programm im Vergleich zur einer Kontrollgruppe effektiver zur Reduktion von Stürzen bei Personen im Alter 70+ Jahren ist (Clemson et al., 2012). Zudem war die Adhärenz höher, wenn Übungen in den Alltag integriert wurden. Im Workshop wird das LiFE Programm zunächst theoretisch vorgestellt. Anschließend werden praktische Übungsvorschläge vermittelt.

Referenz: Clemson L, Fiatarone Singh MA, Bundy A, Cumming RG, Manollaras K, O'Loughlin P, Black D.Integration of balance and strength training into daily life activity to reduce rate of falls in older people (the LiFE study): randomised parallel trial. BMJ. 2012 Aug 7;345:e4547. doi: 10.1136/bmj.e4547.

II.6
Kommunale Bewegungsförderung für Ältere am Beispiel der Landshauptstadt Stuttgart

Carolin Barz, Stuttgart

Die „Bewegte Apotheke“ ist ein Angebot zur niederschwelligen Bewegungsförderung von älteren Menschen. Hierbei sind die Apotheker, die häufig ein Vertrauensverhältnis zu ihren älteren Kunden pflegen „Türöffner“ zur Zielgruppe. Im Rahmen der "Bewegten Apotheke" treffen sich ältere Menschen einmal pro Woche direkt vor der Apotheke zu einer Bewegungsstunde, die durch eine/n Übungsleiter/in eines Sportvereins durchgeführt wird. Das Angebot ist kostenlos und unverbindlich. Ziel des Angebots ist es gemeinsam mit den Apotheken inaktiven älteren Menschen quartiersnah Freude an der Bewegung zu vermitteln. Das Angebot richtet sich an Menschen, die bisher keinen bzw. wenig Zugang zu regelmäßiger körperlichen Aktivität gefunden haben, die nicht organisatorisch gebunden aktiv sein wollen, oder nicht die finanziellen Möglichkeiten für die Teilnahme an entsprechenden Kursen aufbringen können. Der Inhalt des Bewegungsangebots entspricht einem Stadtteilspaziergang (je nach Niveau der Gruppe auch Nordic Walking), der mit Übungen zum Gleichgewicht, der Koordination, Muskelkräftigung oder Gedächtnistraining ergänzt wird.

Im Workshop thematisiert werden die organisatorische Abwicklung, Herausforderungen und die Erfolgsfaktoren der "Bewegten Apotheke". Dieser Workshop richtet sich vorwiegend an Vertreter von Kommunen, Vereinen und Institutionen, die sich der Bewegungsförderung älterer Menschen beschäftigen.


Workshop_II_6_ Barz_Kommunale Bewegungsfoerderung_fuer_Altere.pdf

II.7
Backward Chaining, Bodentraining

Susanne Schulz, Würzburg

Aus der Forschung wissen wir, dass 30% der Gestürzten länger als eine Stunde am Boden lagen (Fleming et al., 2008). Die Unfähigkeit wieder vom Boden selbständig aufzustehen liegt bei älteren Personen über 90 Jahre bei 47% (Lord et al., 2007). Folgen längerer Liegezeiten ohne Hilfemaßnahmen können neben Atemnot, Dehydrierung, Unterkühlung, Druckschmerzen, Nierenversagen und im schlimmsten Fall der Tod sein. Nicht mehr alleine aufstehen zu können erzeugt Angst und bedroht für die Betroffenen die Selbständigkeit. Aus diesem Grund ist es zwingend notwendig dieses Thema in der Sturzpräventionsstunde zu thematisieren.

Der Teilnehmer erfährt in diesem Workshop, wie eine Gruppenstunde zum Thema Aufstehtraining theoretisch und praktisch umgesetzt werden kann und welche vorbereitenden Maßnahmen schon in Kursstunden angeboten werden können.

Mittels der „Backward-Chaining-Methode (Lernmethode mit umgekehrter Abfolge) kann der Teilnehmer lernen mit Hilfe eines Stuhles auf den Boden zu kommen und wieder aufzustehen. Diese Übungsfolge wird in mehreren Teilschritten erarbeitet und erlaubt so, auch individuell in der Gruppe, auf den jeweiligen Trainingszustand und unterschiedliche Bedenken einzugehen. Wird eine Bewegungsfolge sicher beherrscht, folgt der nächste Teilschritt. Diese Vorgehenswiese fördert den Angstabbau.

Ebenso wird das Verhalten nach einem Sturz behandelt und welche vorbeugenden Maßnahmen erforderlich sind, falls der Gestürzte nicht mehr selbständig aufstehen kann (z.B. Umgang mit Telefon, Lagerungsmaterial, Hausnotruf, etc.).

II.8
Sturzprävention in der DRK-Gymnastik

Gabriele Eberbach, Stuttgart

Seit 40 Jahren wird Gymnastik für ältere Menschen vom DRK angeboten, in fortlaufenden Gruppen und ohne Mitgliedschaft. Allein in Stuttgart gibt es 63 DRK-Gymnastikgruppen. Und wöchentlich kommen fast 900 Menschen unter der Leitung von ausgebildeten DRK-Übungsleiterinnen in Bewegung.

Im Laufe der Jahre hat sich die DRK-Gymnastik stark verändert . Früher wurde viel im Sitzen „geturnt“, heute heißt es weg vom Stuhl hin zum 1-Beinstand, abhängig von den körperlichen Voraussetzungen der Teilnehmer_innen.

Neue sportwissenschaftliche Erkenntnisse finden Eingang in die Ausbildungen und Fortbildungen der Übungsleiter_innen. So sind heute Verbesserung und Erhalt von Beweglichkeit, Stabilität, Kraft, Gleichgewicht, Reaktionsfähigkeit, Orientierungsfähigkeit … und die Förderung kognitiver Funktionen Ziele der Stunden.

Zum Thema Sturzprävention wurden die Lehrbeauftragten von Frau Prof. Dr. Schott intensiv geschult. Und in den Fortbildungen wird dieses Thema immer wieder vertieft. Auch das Fallen kann mit den Teilnehmer_innen geübt werden oder Informationen zu Sturzrisikofaktoren können in den Stunden oder durch die DRK-Wohnberatung weitergegeben werden.

Auch spielt das Thema Musik und Bewegung eine wichtige Rolle. Die Schulung der Rhythmusfähigkeit beim rhythmischen Schwingen, oder bei Partnerübungen, die Verbesserung der Gangregelmäßigkeit durch Einsatz von Musik, gehören dazu.

Vielerlei Handgeräte wie verschiedene Bälle, Kirschkernsäckchen, Gymnastikstab, Rytmo Gymstic, Seil, Tennisring, Theraband, Togu-Brasil oder Tuch ermöglichen abwechslungsreiche Stunden mit der Sturzprävention im Blick.

Im Workshop wird eine Beispielstunde vorgestellt und zum Mitmachen eingeladen.

REDNER

Moderatoren & Referenten

Prof. Dr. Clemens Becker

Chefarzt der Abteilung für Geriatrie und
Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus
Stuttgart

Carolin Barz

Sportwissenschaftlerin/Gerontologin
Amt für Sport und Bewegung
Landeshauptstadt Stuttgart.

Silvia Bieling

Dipl. Sportwissenschaftlerin
Referentin Prävention
Geschäftsbereich Prävention/Gesundheitssicherung
AOK Rheinland/Hamburg

Ute Blessing-Kapelke

Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)
Frankfurt/Main

PD Dr. Eling De Bruin

Bewegungswissenschafter
IBWS ETH
Zürich, Schweiz

Anke Borhof

Landessportbund
Nordrhein-Westfalen e.V.
Referentin „Bewegt ÄLTER werden in NRW!“
Duisburg

Melanie Dold

Verband der Ersatzkassen (vdek)
Zentrale Prüfstelle Prävention
Berlin

Uwe Dresel

Dipl.-Sportlehrer
Referent für Prävention/Gesundheitsförderung
DAK-Gesundheit
Gesundheits- und Versorgungsmanagement

Gabriele Eberbach

DRK Landesverband Baden-Württemberg e.V.
Stuttgart

Anke Ernst

Sport-und Gymnastiklehrerin
Studioleiterin
Referentin beim DTB und BTB für Gesundheitssport und GroupFitness
Karlsruhe

Angelika Farnung

DRK Landesverband Baden-Württemberg e.V.
Stuttgart

PD Dr. Ellen Freiberger

FAU Erlangen-Nürnberg
Institut für Biomedizin des Alterns
Nürnberg

Prof. Dr.phil. med. habil. Klaus Hauer

Agaplesion Bethanien-Krankenhaus
Geriatrisches Zentrum
am Klinikum der Universität Heidelberg
Leiter der Forschungsabteilung
Heidelberg

Michael Holzer

Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau
Kassel/Landshut

Sarah Hoppe

Sportwissenschaftlerin (Master of Arts)
Referentin DRK Gesundheitsprogramme
Deutsches Rotes Kreuz
Berlin

Karin Kampe

Dipl. Sportwissenschaftlerin Univ.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Abteilung für Geriatrie und Klinik für Geriatrische Rehabilitation
Robert-Bosch-Krankenhaus
Stuttgart

Susanne Kastner

Dipl. Physiotherapeutin (OMT,NZ)
Rosenheim

Michaela Kohler

Physiotherapeutin, BSc, M.A.
Robert-Bosch-Krankenhaus
Stuttgart

Dr. Monika Köster

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Leiterin Referat 2-22
"Zusammenarbeit mit Ländern, Krankenkassen und Verbänden, Gremien; Gesundes Alter; Frauengesundheit; Männergesundheit"

Dr. habil. Thomas Mühlbauer

Akademischer Mitarbeiter
Universität Potsdam
Abteilung Trainings- und Bewegungswissenschaft

Lisa Nürk

Ronnie Gardiner Methode Deutschland

PD Dr. Kilian Rapp

Oberarzt
Klinik für geriatrische Rehabilitation
Robert-Bosch-Krankenhaus
Stuttgart

Stefanie Riedelbauch

Logopädin BSc (NL), Musicaldarstellerin
Ronnie Gardiner Methode Deutschland
Berlin

Dr. Daniel Schöne

Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Institut für Biomedizin des Alterns
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Prof. Dr. Nadja Schott

Universität Stuttgart
Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft
Abteilung Kognition und Motorik

Miriam Schreck

Deutscher Turner-Bund e.V.
Referentin für spezielle Zielgruppen/Ältere
Frankfurt/Main

Susanne Schulz

Physiotherapeutin B.A.,
Physio-Deutschland (ZVK e.V.)
Würzburg

Dr. Michael Schwenk

Sportwissenschaftler
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Abteilung für Geriatrie und Klinik für Geriatrische Rehabilitation
Robert-Bosch-Krankenhaus
Stuttgart

Lars Schwickert

Sportwissenschaftler
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Abteilung für Geriatrie und Klinik für Geriatrische Rehabilitation
Robert-Bosch-Krankenhaus
Stuttgart

Andrea Spies

Sportpädagogin/Sporttherapeutin
Stadt Ludwigshafen am Rhein
Dezernat Sport und Sporttherapie

Dr. Karin Srulijes

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Klinik für Geriatrische Rehabilitation, Robert-Bosch-Krankenhaus,
Stuttgart
Neurologische Klinik Tübingen, Abteilung Neurodegeneration

Prof. Dr. Chris Todd

The School of Nursing, Midwifery and Social Work
The University of Manchester
Manchester

André Wegener

Dipl. Sportwissenschaftler
Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung BGF GmbH/AOK
Rheinland/Hamburg

Prof. Dr.med. Focke Ziemssen

Universität-Augenklinik
Tübingen

Prof. Dr. Wiebren Ziljstra

Institut für Bewegungs- und Sportgerontologie
Deutsche Sporthochschule
Köln

TAGUNGSORT

Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart
Atrium, Kongress- und Veranstaltungszentrum
Auerbachstraße 120, 70376 Stuttgart

Tagungsgebühr:
Die Tagungsgebühr beträgt 100€. Für Übungsleiter, Therapeuten und Studenten beträgt die Tagungsgebühr 50€ (Nachweis bitte mitbringen).
In der Tagungsgebühr sind Getränke und Speisen während der Veranstaltung inbegriffen.

Bitte richten Sie die Überweisung der Teilnahmegebühr an folgende Kontoverbindung bei der BW Bank:

Empfänger:  
IBAN:
BIC:
Kennwort:  
RBK Stuttgart
DE 83 60050101 000 2152059
SOLADEST 600
Sturzpräventionstagung A50119

Ansprechpartnerin:
Cornelia Meyer-Lentl M.A.
E-Mail: Cornelia.Meyer-Lentl@rbk.de
Telefon: +49 711 8101 2125


Anmeldefrist:
Die Anmeldung ist bis zum
09. November 2015 möglich.

ANFAHRT

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln


Von Stuttgart Hauptbahnhof mit den Stadtbahn-Linien U6 Richtung Gerlingen, U7 Richtung Mönchfeld oder U15 Richtung Stammheim bis zur Haltestelle Pragsattel.

Oder vom Wilhelmsplatz Bad Cannstatt kommend mit der U 13 Richtung Feuerbach/Giebel bis zur Haltestelle Pragsattel.

Von der Haltestelle Pragsattel aus weiter mit der Buslinie 57 Richtung Burgholzhof bis zur Haltestelle Robert-Bosch-Krankenhaus.

Mit dem eigenen Auto


Über B 10 oder B 27 bis zur Kreuzung Pragsattel.

Dort in die Siemensstrasse/B 295 Richtung Calw/Leonberg abbiegen.

Nach etwa 100 m an der ersten Ampel rechts in die Leitz-Strasse einbiegen und dem Strassenverlauf über die Auerbachbrücke folgen.

Folgen Sie der Beschilderung zu P1 (Hauptgebäude) oder P2 (Atrium).

HOTELS

ANMELDUNG

Hiermit melde ich mich zur 2. Sturzpräventionstagung der Bundesinitiative Sturzprävention vom 27.-28. November 2015 im Atrium – Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart, an.


* Pflichtangaben

Die Anmeldung zur Tagung nimmt das Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart – Forschungsabteilung Geriatrie und Geriatrische Rehabilitation entgegen. Bei Fragen zur Tagung wenden Sie sich daher bitte an: Cornelia Meyer-Lentl, Tel.: 0711 – 8101-2125, E-Mail: Cornelia.Meyer-Lentl@rbk.de

Anmeldefrist:
Die Anmeldung ist bis zum 09. November 2015 möglich.

Tagungsgebühr:
Die Tagungsgebühr beträgt 100€ und beinhaltet die Teilnahme an den Vorträgen, zwei Workshops sowie Getränke und Speisen während der Veranstaltungszeiten.
Für Übungsleiter, Therapeuten und Studenten beträgt die Tagungsgebühr 50€ (Nachweis bitte mitbringen).

Bitte richten Sie die Überweisung der Teilnahmegebühr an folgende Kontoverbindung bei der BW Bank:

Empfänger:  
IBAN:
BIC:
Kennwort:  
RBK Stuttgart
DE 83 60050101 000 2152059
SOLADEST 600
Sturzpräventionstagung A50119

Unterstützer:

BZGA BmBF profound DOSB


In Kooperation mit:

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